Nordbayerischer Kurier 30.11.2008
Bald glüht es wieder, das Würmchen
BAYREUTH. Der „Feuersalamander“ und das „Glühwürmchen“, die im Frühjahr in Bayreuth eine
glückliche Kunst-Ehe eingegangen sind, kehren zurück. Sie werden gemeinsam im
Bereich der neuen Zentralen Omnibushaltestelle viele Fragen aufwerfen und
Diskussionen erzeugen. Diskussionen darüber, was Kunst ist. Soll. Will.
Das Ausstellungsprojekt „Parallelaktion“, das die in der Gruppe „Silixen AG“
zusammengeschlossenen Künstler im Mai in und vor dem Finanzamt Bayreuth
realisiert hat, hat seinerzeit viele Fragen aufgeworfen. Aber auch Anregungen
geben. Und manchen auch „nur“ Freude gemacht. Jetzt zieht ein Kernstück dieser
Ausstellung um: Die Installation „Feuersalamander – Glühwürmchen“, die auf dem
Ehrenhof vor dem Finanzamt gezeigt worden war, erlebt eine Renaissance an der
neuen ZOH.
„Feuersalamander – Glühwürmchen“ – das sind 29 höchst unterschiedliche
Leuchtbuchstaben, die vor dem Finanzamt in zwei Reihen übereinander montiert
waren. Drei Meter hoch, zwölf Meter breit. Wer sie damals entworfen hat, blieb
im Ungewissen, der Künstler wurde nicht geoutet. Auch im Projekt-Begleitbuch
nicht. Anonym. Fertig. Heute wissen wir, dass es der Künstler Roland Schön war,
der zum „Spiel mit Realität und Repräsentation in offener Schwebe zwischen
materiellem Kontext und bedeutendem Abwesenden“ geladen hatte. Und Schön ist es
auch, der die Buchstabenfolgen in neuer Anordnung am Kopfbau der neuen ZOH
anbringen will. So, dass sie vom Ring aus gut zu sehen sind. Ein ganzes Jahr
lang. Mit den Buchstaben, die aus bekannten Firmenlogos stammen, kann man Vieles
in Verbindung bringen. Etwa eine „gnadenlose Kapitalismuskritik“, wie Schön
spontan einwirft. Oder auch einfach eine Einladung, die beiden positiv besetzten
Begriffe Feuersalamander und Glühwürmchen, die in sich eine nicht näher
bezeichnete Frohbotschaft tragen, zu genießen, wie Johann Schuierer anbietet.
Fakt ist: Dieses lange Stück Kunst soll zum Nachdenken anregen.
Wobei die ZOH mit Bedacht gewählt wurde: „Der Aufstellungsort würde
normalerweise mit einer Leuchtschrift ,Zentrale Omnibus Haltestelle’ oder ,ZOH’
bestückt werden. Mit der Installation ,Feuersalamander Glühwürmchen’ wird
hingegen auf die kollektive Qualität des öffentlichen Nahverkehrs Bezug
genommen“. Schreiben die Silixen-Macher. Und ergänzen: „Inhaltlich verweisen die
beiden Worte sowohl auf die formale Qualität des Leuchtens, Glühens, Brennens,
als auch auf die Tageszeit des Dämmerns und Dunkelns. Gleichzeitig verweisen sie
natürlich auch auf die Natursehnsucht, die oftmals hinter dem ,Reisen’
beziehungsweise ,Verkehr’ steht. Aber auch auf die auch in der Stadt stets
anwesende Kraft und Unwägbarkeit der Natur.“ Aber dazu muss die Installation
erst einmal am Ort ihrer Bestimmung hängen.
Am 6. Dezember soll das Oeuvre montiert werden. Zwar erfahren die Silixen-Macher
schon Unterstützung durch die Volks- und Raiffeisenbank und ... Moll, zwar
laufen auch Gespräche mit der BEW wegen eines Betriebskostenzuschusses, zwar
hatte auch das Kulturreferat vermittelnde Unterstützung zugesagt, aber noch sind
längst nicht alle entstehenden Kosten abgedeckt. Sollten also Unternehmen oder
Einzelpersonen Gefallen an Glühwürmchen und/oder Feuersalamander finden, die
Silixen AG wäre sicherlich überglücklich über Unterstützung. Und über eine rege
Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum im Anschluss an die Aufstellung. gdm
Quelle: Nordbayerischer Kurier, 30.11.2008