Parallelaktion
Die SILIXEN
AG will sich durch die Realisierung von
Kunstprojekten an dem Prozess der Suche nach zeitgemäßen Formen der Präsentation
und Rezeption von Werken der bildenden Kunst beteiligen und abseits
von den Zentren des Geschehens eigene Lösungen entdecken. Wir wollen Kunstwerke
nicht mehr in einem autonomen, kunstspezifischen Rahmen zeigen, also in einem
musealen, galeristischen oder anderen geschlossenen Kunstsystem. Wir wollen
Kunst in einem Rahmen zeigen, der eine unmittelbare Beziehung zwischen Lebens-
oder Arbeitsraum und Kunstwerken aufweist. Wir verlassen sozusagen die
Vermittlungsebene der Kunsträume auf dem Weg in die unmittelbare Beziehung zur
Alltagswirklichkeit. Wir erwarten uns davon einen weitaus offeneren Zugang zu
den Inhalten und Wirkungen der Kunstwerke, zu ihrer Ästhetik und ihren
spezifischen Thematisierungen von Realität.
Kontext Ort - Inhalt
Die Parallel-Aktion ist ein Kunstprojekt im Alten Schloss Bayreuth, dem Sitz des
Finanzamts Bayreuth. Der Ort wurde gewählt, weil dessen besondere Lage und
wechselnde Nutzung stets als Organisationsraum der Gesellschaft diente. Das Alte
Schloss, erbaut als feudaler Lebens- und Repräsentationsraum, dessen Nutzer
Kunst ganz selbstverständlich als Mittel zur Repräsentation von
Selbstbewusstsein, Selbstdarstellung und auch Selbstvergewisserung gebrauchten.
Nach dem Ende der Feudalherrschaft, nach Zerstörung im Krieg und Wiederaufbau
steht das Gebäude heute mit äußerer historischer Hülle da, im Innern als
nüchterner Funktionsbau mit einem Architektur-Mix der Nachkriegsjahrzehnte.
Seine innere Funktion, als Finanzbehörde, dient auch heute noch herrschaftlichen
oder - zeitgemäßer formuliert - staatlichen Interessen. In der Behörde arbeiten
einige hundert Menschen an der Durchführung staatlicher Verabredungen: Sie sind
Diensttuende des Staates und damit Diensttuende der Bürger. Es gibt zahlreichen
Publikumsverkehr, die Bürger verfolgen mit eigenen persönlichen Interessen ihre
Pflichten und Rechte.
Das Projekt
Der Titel weist auf die Gleichzeitigkeit verschiedener Handlungsebenen und die
Problematik hin, darin Schnittstellen zu finden. Für die Dauer eines Monats
werden Kunstwerke und künstlerische Aktionen in das Gebäude und den
Arbeitsalltag der Finanzbehörde verwoben. Die Künstlerinnen und Künstler
unternehmen den Versuch, im öffentlichen Raum des Finanzamts durch die
Präsentation ihrer Arbeiten, durch die Sprache der Ästhetik, ein Bewusstsein für
die Komplexität der Wahrnehmung von Alltagswirklichkeit zu vermitteln. Die
Künstler transportieren in ihren Werken ihre persönliche Wahrnehmung von
Wirklichkeit über eine ästhetische Sprache. Inhaltlich bewegt sich das Projekt
um Begriffe wie innere Sicherheit, Ambivalenz und Gleichzeitigkeit. Die
Intentionen sind das Anbieten ästhetischer Möglichkeiten bezüglich der
Wahrnehmung von Realität, deren Variabilitäten und die offene Kommunikation im
Alltagsraum. Ob sich aus diesem Projekt positive Impulse in Bezug auf Gestaltung
und Betrachtung des öffentlichen und gesellschaftlichen Raumes entwickeln, wird
sich zeigen.
Das Publikum
Es werden mehrere Rezeptionsebenen geschaffen:
- Am eindrücklichsten wird dieses Projekt von den dort arbeitenden Menschen wahrgenommen. Sie werden bereits beim Aufbau in eine direkte Begegnung und Kommunikation mit den Künstlern geraten. Aufgrund ihrer ständigen Präsenz sind ihnen die unmittelbarsten Erfahrungen möglich.
- Besucher der Behörde suchen die Funktionen des Amtes und werden die deutlichste Irritation erfahren.
- Gäste des Kunstprojektes werden durch das Gebäude geführt, sie haben den distanzierten Blick.
Parallel-Aktion - der Prozess
Es ist eine besondere Herausforderung, in diesem öffentlichen Raum parallel mit
einem nicht-exklusiven Publikum zu arbeiten. Eine Vorraussetzung für das
Erreichen effektiver Ergebnisse künstlerischer Arbeit ist eine offene
Bereitschaft zur Kommunikation. Die sich im kommunikativen Prozess ergebenden
Möglichkeiten sind Teil des produktiven Vorgangs in der Entstehung des Projekts.
Die SILIXEN
AG wird diesen Prozess von Anfang an in
Zusammenarbeit mit der Leitung des Finanzamts steuern.